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Baseler Anforderungen

Neue Spielregeln

Die Wirtschaftswelt befindet sich in einem permanenten Prozess der Veränderung. Insbesondere nach der Subprime-Krise bedurfte es einer klaren, nachhaltigen und effektiven Reaktion der Finanzwelt. Warum die aktuellen Verschiebungen der Rahmenbedingungen unser Sozial- und Wirtschaftssystem jedoch derart erschüttern, liegt an der Schnelligkeit und Intensität der derzeitigen Korrektur.

Vor allem für Klein- und Mittelbetriebe – mit 99,6 % aller Unternehmen das Rückgrat der österreichischen Wirtschaft – stellen das Zusammenwachsen nationaler Märkte, der Trend zur Globalisierung und die Auswirkungen des Basel-III Regulativs auf das Kreditgeschäft eine große Herausforderung dar.
Ob und inwieweit Unternehmen diesen Entwicklungen gewachsen sind, hängt neben Produkt, Markt, Zeitpunkt, Management und Geschäftspartnern auch von der richtigen Finanzierungsstruktur ab.

Tipp:
Die richtige Finanzierungsstruktur kann für Ihr Unternehmen zum entscheidenden Wettbewerbsvorteil werden!

Baseler Anforderungen

In Österreich steht die Finanzierung von KMU traditionell auf zwei Säulen: der Innenfinanzierung und dem klassischen Bankkredit. Da kleine und mittlere Unternehmen in Österreich überwiegend über Fremdkapital finanziert sind, wirken sich die bankaufsichtsrechtlichen Regeln dementsprechend auf diese aus. Woher rührt nun die Notwendigkeit der Konkretisierung der Rahmenbedingungen für das Bankgeschäft und welche Ziele werden damit verfolgt?

Zur Stärkung der Stabilität der Finanzmärkte wurde unter dem Schlagwort „Basel I“ festgelegt, dass Banken 8 % des vergebenen Kreditbetrags als Eigenmittel halten müssen. Diverse Entwicklungen führten jedoch dazu, dass diese Regelung nicht mehr ausreichte, um ein ökonomisch wünschenswertes Verhältnis zwischen dem Ausfallsrisiko bei Kreditvergabe und den dafür als Vorsorge zu haltenden Eigenmitteln sicherzustellen.


Mit Basel II wurde diese Pauschalregelung durch eine auf die Bonität des einzelnen Kreditnehmers abgestimmte Eigenkapitalunterlegung abgelöst. Die Ziele von „Basel II“ lassen sich wie folgt zusammenfassen:
  • Förderung der Sicherheit und Stabilität des Finanzwesens, Verbesserung der Wettbewerbsfähigkeit
  • risikogerechte Eigenmittelanforderungen
  • Berücksichtigung aller Risken
  • Anerkennung bankinterner Methoden zur Risikoeinschätzung
  • Anwendung auf Banken weltweit, international einheitliches System
  • Stärkung der Bankenaufsicht und des Marktes. 

Die Bank hat weiterhin zur Messung des Kreditrisikos folgende Parameter zu erfassen:
  • Ausfallswahrscheinlichkeit: Wie wahrscheinlich ist es, dass ein Kreditnehmer innerhalb der nächsten zwölf Monate ausfällt (Insolvenz, Zahlungsverzugüber 90 Tage etc.)?
  • Verlust bei Ausfall: Wie hoch ist voraussichtlich der Verlust, den die Bank im Fall eines Ausfalls des Kreditnehmers erleidet?
  • Höhe der Kreditforderung bei Ausfall: Wie hoch wird voraussichtlich der Stand der Kreditausnützung bei Ausfall des Kunden sein? 

Die Beibehaltung bzw. Erlangung eines permanent guten Ratings sollte daher für Unternehmer ein verstärktes Anliegen darstellen. Eine professionelle Kommunikation zwischen Unternehmen und Bank ist dafür unerlässlich.

Nur mit aktuellen und vollständigen Kundendaten ist die zuverlässige Einschätzung der zukünftigen Entwicklung und schlussendlich eine Bonitätsbeurteilung des Kreditnehmers möglich. Die Bonität – also die Fähigkeit, aufgenommenes Kapital samt Zinsen vollständig und zeitgerecht zurückzuzahlen – wird in der Erste Bank und den Sparkassen anhand sogenannter Hard und Soft Facts bestimmt. Die klassischen Hard Facts wie Ertragskraft, Zahlungsfähigkeit und Eigenkapitalausstattung können dieser Anforderung nur zum Teil nachkommen.

Hier gewinnen die Soft Facts zunehmend an Bedeutung. Sie beschreiben Potenziale, Chancen und Risiken, von denen erwartet wird, dass sie sich früher oder später auch in den Bilanzen niederschlagen. Dazu zählen die Marktposition, die Branchenentwicklung und die Qualität des Rechnungswesens, welche in einem persönlichen Gespräch erhoben werden. In einem standardisierten Verfahren werden diese Informationen zu einem Bonitätsurteil/Rating verdichtet, sodass jeder Kreditnehmer einer bestimmten Ratingstufe zugeordnet wird.

Das Ratingsystem dient der Erste Bank und den Sparkassen als Basis für:
  • eine möglichst objektive Kreditentscheidung
  • die Preisgestaltung bei Krediten abhängig von der Bonität des Kunden
  • die Steuerung des Kreditportfolios
  • die Eigenkapitalkalkulation der Bank abhängig vom Kreditrisiko

Die Schlüsselfunktion im Kreditentscheidungsprozess bildet somit die offene Kommunikation. Eine restriktive Informationspolitik führt zu einer höheren Risikoeinschätzung, in weiterer Folge zu einer schlechteren Ratingeinstufung und schlussendlich zu höheren Kreditkonditionen.
Den Banken kommt gleichzeitig eine umfassende Informations- und Beratungsfunktion zu, die über das reine Produkt-Know-how weit hinausgeht.

Das beginnt bei der Ermittlung des Kapitalbedarfs sowie der Auswahl des passenden Instrumentariums aus dem breiten Spektrum der Unternehmensfinanzierung und geht bis zur laufenden Beratung hinsichtlich das Rating verbessernder Maßnahmen.

Der Begriff „Basel III“ bezeichnet nun ein weiteres Reformpaket, das derzeit auf europäischer Ebene umgesetzt wird. Der geplante Zeitpunkt des Inkrafttretens der neuen Regelung ist der 1. Jänner 2013.
Die Hauptgesichtspunkte von Basel III sind:
  • Eigenmittelanforderungen: Die jüngsten Finanzkrisen haben gezeigt, dass das globale Bankensystem nicht ausreichend mit qualitativ hochwertigem Eigenkapital ausgestattet war. Daher wird mit Basel III die Eigenmitteldefinition verschärft und die harte Kernkapitalquote für Banken wesentlich angehoben.
  • Liquidität: Durch eine erstmalige Harmonisierung quantitativer Liquiditätserfordernisse und die Einführung verbindlicher Kennzahlen (eine kurzund eine langfristige) soll die Stabilität einzelner Institute in Zeiten erhöhten Liquiditätsstresses gestärkt werden.
  • Prozyklizität: Abgerundet wird das Paket durch Maßnahmen zur Eindämmung prozyklischer – d. h. krisenverstärkender – Effekte, insbesondere durch Kapitalpuffer (Kapitalerhaltungspuffer und antizyklischer Puffer) sowie eine Verschuldensquote (Leverage Ratio).
  • Weitere Themen:
 
  • spezielle Aufsichtsstandards für systemrelevante Institute
  • spezifische Maßnahmen für Krisenszenarien
  • Reduktion der Bedeutung externer Ratings
  • Verstärkung der Corporate Governance in Finanzinstituten
  • Vereinheitlichung des Sanktionenregimes


Das Hauptziel von Basel III ist, das Finanzsystem durch die verschärften Eigenkapitalvorschriften stabiler sowie gegen Stresssituationen resistenter zu gestalten. Durch die neuen Liquiditätsanforderungen soll die Robustheit der Institute auch in Situationen der Liquiditätsknappheit erhöht werden. Weiters soll die Abhängigkeit von Banken untereinander eingedämmt sowie sollen krisenverstärkende Effekte verringert werden.

Die umfassenden Neuregelungen des Finanzsystems werden alle Akteure (Banken, Kunden, Investoren) am Finanzmarkt – sei es direkt oder indirekt – betreffen. Für Banken bedeutet dieses Paket eine erhebliche Änderung: Insbesondere die Kernkapitalanforderung (einschließlich Puffer) steigt wesentlich (von 4 % auf 8,5 % bis 11 %, für systemrelevante Banken noch höher). Durch die Neugestaltung der Liquiditätsanforderungen ist weiters ein erheblicher Anstieg des Bedarfs an hochliquiden Mitteln und an längerfristiger Refinanzierung zu erwarten. Die Kreditwirtschaft konzentriert sich derzeit auf die entsprechende Kapital- und Liquiditätsaufbringung, um den neuen Anforderungen entsprechend zu genügen. Dies kann unter anderem dazu führen, dass die Eigenkapitalrentabilität abnimmt, was die Bank und ihre Investoren direkt betrifft.

Für Kunden von Banken bedeutet das, dass sie branchenweit – abhängig vom konkreten Produkt – voraussichtlich mit einer Erhöhung der Risikomarge für Bankprodukte rechnen müssen. Dies gilt nicht nur für Österreich, sondern weltweit. Da das Kreditausfallsrisiko von Unternehmen auch weiterhin im Fokus bleiben wird und die „Basel-IIFitness“ unter Basel III eine noch größere Bedeutung bekommt, werden Unternehmer mit guter Bonität auch weiterhin keine großen Herausforderungen bei der Kapitalbeschaffung zu bewältigen haben.

Alle Akteure – Banken, Investoren und Kunden – werden ihren Beitrag zu leisten haben. Der Nutzen besteht darin, dass die gesamte Finanzmarktstabilität sowie die Stabilität des einzelnen Kreditinstituts erheblich erhöht wird und damit künftige Solvabilitäts- und Liquiditätskrisen so weit als möglich zurückgedrängt werden.

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